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Nein sagen kann man lernen

Unsere Bildungsprojekte in Vietnam und Indien

Gegen Missbrauch und Menschenhandel - Kinder stark fürs Leben machen
Nein sagen kann man lernen

Ich bin sehr bewegt, während wir durch die Straßen eines vietnamesischen Bergdorfs fahren und ich hinten auf der Rückbank meinen Gedanken nachhänge. Kurz zuvor haben wir eine Schule nahe der Grenze besucht. Bei den Schülern handelt es sich um Kinder ethnischer Minderheiten, die fernab größerer Städte leben und aufgrund ihrer Herkunft nur wenige Privilegien besitzen.

Mit meinen Kollegen von Samaritan’s Purse Vietnam bin ich unterwegs, um mir unser Projekt im Norden des Landes anzuschauen, in dem wir Kinder und Jugendliche über die Themen Menschenhandel, sexueller Missbrauch und häusliche Gewalt sensibilisieren. Brisante Themen in asiatischen Ländern wie Vietnam. Vor allem in Grenzregionen, wo Verschleppungen, die in Prostitution, Zwangsarbeit oder Zwangsheirat münden, keine Seltenheit sind. Das bedarf Aufklärung. Genauso wie das Thema sexueller Missbrauch. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Sexualtätern um Bekannte, Familienmitglieder oder Nachbarn, zu denen bereits ein Vertrauensverhältnis besteht.
Kindern beizubringen, welche Gefahren ihnen in ihrem direkten Umfeld begegnen können, wie sie damit umgehen und wo sie Hilfe finden, ist das A&O unseres Präventionsprojekts.

Der Unterricht, an dem wir teilnehmen ist also kein gewöhnlicher.
Die Kinder lernen hier beispielsweise durch verschiedene Lektionen, was typische Anzeichen und Verhaltensweisen von Tätern sind, welche gesundheitlichen und psychischen Symptome bei Missbrauchsopfern auftreten können, welche Berührungen angemessen sind und welche nicht, wie sie in verschiedenen Situationen reagieren können (z. B. durch ein klares Nein, nach Hilfe rufen oder Weglaufen) und wo sie Hilfe finden können, wenn sie bereits betroffen sind.
Die Lehrer, geschult durch das Team von Samaritan’s Purse, werden mit umfangreichen Materialien, Bildern und Videoclips versorgt, um das gelernte Wissen an ihre Schüler weiterzutragen.

Kinder im Vietnam vor Ausbeutung schützen.
Schulklasse Vietnam
„Ich messe meinen Erfolg an der Liebe und dem Vertrauen, das meine Schüler mir entgegenbringen,“ erzählt Bian*. Im Bild ist sie mit ihrer Schulklasse zu sehen.

Mitarbeiter und Lehrer schaffen Schutzorte

Eine der Lehrerinnen, die ich dort treffe, ist Bian* (siehe Bilder oben). Seit zehn Jahren unterrichtet und wohnt sie schon an dieser Schule. Ihr Mann, ebenfalls Lehrer, ist auch dort angestellt. Ihre eigenen Kinder, die bei ihren Großeltern leben, sehen die beiden nur alle drei Monate. Ein großes Opfer für Bian. Doch schon immer war es ihr Herzenswunsch, Kinder zu unterrichten, die aufgrund von Bildungsmangel benachteiligt sind. Dass sie ihre Arbeit und ihre Schüler liebt, spürt man ihr sofort ab. Ein Satz von ihr bleibt mir besonders im Gedächtnis: „Ich messe meinen Erfolg an der Liebe und dem Vertrauen, das meine Schüler mir entgegenbringen.“

Und dieses Vertrauen strahlt sie auch selbst aus, wenn sie ihre Schüler ermutigt, im Rahmen des Präventionstrainings über ihre Erfahrungen mit sensiblen Themen zu sprechen, die oft schambehaftet sind. So schafft sie wichtige Schutzorte, in denen die Kinder sich öffnen und sicher fühlen können. „Die Kinder sind einem Umfeld ausgesetzt, in dem die Gefahr belästigt zu werden, sehr hoch ist. Deshalb ist es enorm wichtig, dass diese Trainings und Gespräche stattfinden“, erklärt Bian. Sie bedankt sich vor allem bei allen Spendern, die das möglich machen: „Auf diesem Weg bekommen wir Zugang zu Informationen und Inhalten, die wir vorher nicht hatten und das ist sehr wertvoll.“

Bians Haltung den Kindern gegenüber spiegelt Gottes Herz wider. Seine Liebe für jedes einzelne Kind ist unendlich und er nutzt die Arbeit von Samaritan’s Purse, um diese Liebe praktisch werden zu lassen. Wir wünschen uns, dass Gott selbst zum größten Beschützer für diese Kinder wird.

Unsere Kollegin Jessica mit Thuy Thuy
Vietnamesische Jungen sitzen draußen.
Unsere Kollegin Jessica mit Thuy Thuy nach ihrem Unterricht (Bild links).

Nein sagen kann man lernen

Nach dem Unterricht spreche ich mit Thuy Thuy* (11), die später mal Lehrerin werden möchte. Auch sie wohnt in der Schule und besucht ihre Familie nur in den Ferien oder an den Wochenenden, wo sie ihre Eltern bei der landwirtschaftlichen Arbeit unterstützt.
Als ich sie frage, was ihr besonders in Erinnerung geblieben ist vom Präventionsunterricht, sagt sie: „Ich habe gelernt, dass jede Berührung, die mir Angst macht oder ein komisches und unsicheres Gefühl in mir auslöst, falsch ist. Ich habe jedes Recht dazu, Nein zu sagen und wegzugehen.“ Durch die Arbeit von Samaritan’s Purse fühlt sie sich gestärkt und vorbereitet. Und genau das ist unser Ziel: Wir möchten, dass Kinder stark werden und lernen, sich mit einem klaren Nein zur Wehr zu setzen.

Ich habe gelernt, dass jede Berührung, die mir Angst macht oder ein komisches und unsicheres Gefühl in mir auslöst, falsch ist. Ich habe jedes Recht dazu, Nein zu sagen und wegzugehen.

Thuy Thuy (11 Jahre alt), Schülerin aus Vietnam

Auf dem Rückweg fahren wir an einem riesigen Plakat von Samaritan’s Purse vorbei, direkt an einer Straße im Grenzgebiet, die häufig von Schmugglern und Menschenhändlern benutzt wird. Es ruft in großen Buchstaben dazu auf, sich an die Notfall-Hotline des Landes zu wenden, wenn man selbst oder Angehörige und Freunde Opfer von Missbrauch oder Menschenhandel geworden ist.

Jayanna aus Indien hat den Weg aus der Ausbeutung geschafft
Jayanna bereitet sich auf ihre Aufnahmeprüfung für ein Stipendium vor. Ein Weg, der sie davor bewahren kann, erneut ausgebeutet zu werden.

Schutzorte in Indien schaffen
Bildung schenkt Perspektive

Über 5.000 Kilometer weiter westlich liegt Indien. Auch hier arbeiten wir mit Projektpartnern zusammen, die wie Bian ein großes Interesse daran haben, Kinder und Jugendliche für ihre Zukunft zu stärken.

Jugendliche wie Jayanna* zum Beispiel. Sie hat nie gelernt, Nein zu sagen oder sich zur Wehr zu setzen. Von klein auf war sie Missbrauch ausgesetzt, denn sie und ihre Geschwister wuchsen schon im Bordell auf.
Als sie es eines Tages nicht mehr aushält und davonläuft, findet sie Zuflucht in einer Kirche. Sie schafft dank vieler Gebete ihren Schulabschluss und erhält durch unser Bildungsprojekt Indien.Freiheit die Chance, einen der begehrten Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst zu bekommen. Ein ungewöhnlicher Weg, der sie auch gleichzeitig davor schützen kann, erneut ausgebeutet zu werden.

Durch unser Bildungsprojekt Indien.Freiheit leisten wir nicht nur wichtige Aufklärungsarbeit über Missbrauch, Kinderrechte, Zwangsheirat, etc., sondern wir bieten auch viele kreative Angebote zur Stärkung und zum Schutz für Kinder an oder helfen beispielsweise auch Schulabbrechern, wieder integriert zu werden und Hoffnung für die Zukunft zu finden.
 

Ob in unserem Projekt in Vietnam oder in Indien, Bildung und Prävention bieten enorme Chancen, Kinder und Jugendliche zu stärken und ihnen eine sichere Zukunft zu eröffnen.

Durch dein Gebet kannst du die Arbeit tatkräftig unterstützen. Und durch deine Spende kannst du die Präventionsmaßnahmen möglich machen. Dein Beitrag ist wertvoll!

*Namen geändert

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